Kromis haben keinen Jagdtrieb?

Absolut richtig.

 

Ich kenne keinen Kromi, der wirklich jagt. Das bedeutet aber nicht, dass nicht auch ein Kromi hinter einem Hasen hinterher laufen oder Vögel aufscheuchen würde. Zumindest macht Kabou das alles gelegentlich.

 

Es fing damit an, dass Kabou als Welpe Blättern im Wind hinterher hetzte. Ich hielt das für ein lustiges Welpenspiel und ließ ihn gewähren. Während einer Einzelstunde sagte mir eine Hundetrainerin, das sei ausgeprägter Jagdtrieb und ich solle das unterbinden.

 

Ich war zwar verunsichert, denn irgendwie wollte ich das nicht so recht glauben. Also durfte Kabou weiter mit den tanzenden Blättern spielen. Als er dann aber tatsächlich anfing, jedem Vogel oder auch mal Hasen hinterzugaloppieren, bekam ich es mit der Angst zu tun. Ich ging mit Kabou ab sofort nur noch mit der Schleppleine raus und verbat ihm das loslaufen. Beobachter regte mein frühzeitiges und mahnendes "Denk nicht mal dran!" stets zum Lachen an. Nun konnte ich diesen Befehl dank der Leine ja auch durchsetzen.

 

Es dauerte nicht lang: Nur ein paar Tage (wie gesagt, Kromis lernen schnell) und Kabou ließ sich von den Tieren abrufen, selbst wenn er schon losgelaufen war. Die Schleppleine konnte also wieder in der Schublade verschwinden.

 

Heute lasse ich Kabou sogar hin und wieder auf Vögel und Enten zulaufen. Es macht ihm einfach Spaß zuzusehen, wie diese dann aufflattern und wegfliegen. Sowie sie in der Luft sind, dreht er sich um und kommt zu mir zurück.

 

Versuchsweise sind wir mehrmals am Wildgehege in Riddagshausen spazieren gegangen. Das Rotwild dort hat Kabou überhaupt nicht interessiert. Wenn wir in Wald und Flur spazieren und irgendwo ein paar Rehe stehen oder laufen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder es interessiert Kabou gar nicht oder er lässt sich direkt wieder abrufen, bevor er die Tiere erreicht. Kabou verlässt auch nur ganz selten die Wege, wenn wir spazieren gehen. Und das eigentlich nur, wenn er entweder sein Geschäft erledigen muss, oder wenn er mit einem anderen Hund tobt.

 

Ihr möchtet noch einen anderen Beweis?

In "unserem" Fressnapf-Laden werden verschiedenste Nager ausgestellt: von Kaninchen über Meerschweinchen bis hin zu verschiedenen Mäusearten. Natürlich läuft Kabou dort jedes Mal aufgeregt hin. Eigentlich will er nur mit den Tieren spielen und versteht nicht, warum sie nicht wirklich auf ihn eingehen. Greifen die Mäuse mit ihren Pfoten durch den Käfig, geht Kabou hin und verteilt Küsschen. Wirklich! Er knabbert oder beißt nicht - er leckt die Mini-Pfötchen ganz vorsichtig ab. Damit und mit seinem klassischen Spielaufforderungsverhalten vor den Käfigen sorgt Kabou immer für Unterhaltung bei sämtlichem Personal und Kunden.

 

Mein Fazit zu dem Thema Jagdtrieb: Macht man einem Kromi klar, dass es ein unerwünschtes Verhalten ist, anderen Tieren hinterher zu laufen und funktioniert der allgemeine Rückruf, ist es absolut kein Problem auf Wildtiere zu treffen.

 

Selbst wenn man nicht trainiert hat, würde ich immer noch behaupten, dass das Hinterherlaufen hinter Wildtieren bei Kromis kein ausgepägtes Jagdverhalten sondern eher der ausgeprägte Spieltrieb ist.