Kromis bleiben ungern allein?

Das lässt sich ganz klar und deutlich mit JA, stimmt! beantworten! Sicherlich steht das auch in ursächlichem Zusammenhang damit, dass sich Kromis so an ihren Menschen hängen.

 

Genau genommen geht für den Kromi eine Welt unter, wenn ihre Bezugsperson geht und den Kromi alleine lässt. Kromis sitzen dann häufig im Flur oder am besten direkt vor der Tür und warten, bis ihre Hauptbezugsperson wieder zurück kommt.

 

Bei Kabou hat sich das schon fast zu einer Art Besessenheit entwickelt. Bin ich weg, sitzt er in Flur, die Wohnungstür immer fest im Blick. Ungefähr zwanzig Minuten sitzt er nahezu unbeweglich dort und mag es gar nicht glauben, dass ich wirklich nicht zurück komme.

 

Dann setzt ein Konzert besonderer Art ein: Kabou bellt nicht und jault auch nicht. Kabou schreit! Als Kabou erst kurz bei mir hatte, dachten meine Nachbarn, ich würde auf ein kleines Baby aufpassen. So hört es sich an. Zwischendurch schluchzt Kabou auch richtig.

 

Im Laufe der Zeit, hat Kabou sich angewöhnt, zwischen dem Schreien auch mal Pausen einzulegen. Das war anfangs nicht so. Nun geht er zwischendurch sogar schon mal auf sein Kissen und bleibt dort für ein paar Minuten sitzen, bevor er sich wieder in den Flur bewegt.

 

Aber Alleinsein findet er immer noch ultra-doof: In der Zeit spielt er nicht, frist nicht, trinkt nicht, kaut nicht auf Kaustangen rum (egal wie toll die sonst sind),... Selbst ein mit Leberwurst oder anderen tollen Sachen gefüllter Kong wird nicht wahrgenommen. Kabou konzentriert sich voll und ganz aufs Leiden!

 

Woher ich das weiß? Ich habe Kabou beim Alleinsein telefonisch abgehört und auch via Web-Cam gefilmt. Es ist wirklich nicht übertrieben, was ich hier schreibe.

 

Wenn ich zurück komme, geht die Party so richtig los: Sowie Kabou mich wahrnimmt, springt er zur Tür. Komme ich rein, werde ich besprungen. Von allen Seiten. Alle erreichbaren Körperteile werden abgeschlabbert; und das sind eigentlich alle Körperteile, denn Kabou springt aus dem Stand so hoch, dass er mir die Brille oder Stirn knutschen kann. Er tänzelt um mich herum und springt und hechelt. Ich schaffe es kaum, meine Jacke auszuziehen oder die Tasche aufzuhängen.

 

Wie ich es gelesen und auch in der Hundeschule gelernt habe, ignoriere ich nicht nur dieses Verhalten sondern den ganzen Hund. Erst, wenn er sich komplett beruhigt hat und sich auch hinlegen oder wenigstens hinsetzen kann, nehme ich langsam wieder Blickkontakt mit ihm auf.

 

Erst dann kann Kabou wieder etwas trinken. Nach meiner Abwesenheit hat er immer Durst. Er trinkt sonst nicht wirklich viel, aber dann hat er einen richtig großen Flüssigkeitsbedarf.

 

War ich erst einmal weg (egal wie kurz!), werde ich den Rest des Tages nicht mehr aus den Augen gelassen. Auf Schritt und Tritt wird jede Bewegung von mir verfolgt. Nicht, dass ich ihn womöglich noch mal "im Stich lasse"!!!

 

Schnell fand ich heraus, wie anstrengend meine Abwesenheit für Kabou ist. Wenn sich Kabou nach der Wiedersehensparty beruhigt und etwas getrunken hat, setze ich mich dann meist aufs Sofa und lese etwas, damit auch Kabou zur Ruhe kommt. Es dauert kaum zwei Minuten und Kabou fällt ins Koma und schläft und schläft und... Nichtsdestotrotz bekommt er es sofort mit, wenn ich mich bewege, und hebt den Kopf und beobachtet, was ich vor habe.

 

Falls ihr jetzt meint, ich hätte vielleicht nicht genug geübt... Weit gefehlt! Fragt mal meine Nachbarn, wie oft ich mit einem Buch im Treppenhaus gesessen habe, um das Abwesenheitstraining durchzuziehen. Wir hatten einige Einzelstunden mit verschiedenen Trainern, die viele Tipps auf Lager hatten. Alle habe ich umgesetzt. Aber Kabou lässt sich einfach für nichts Anderes begeistern, wenn ich nicht da bin.

 

Ich gebe aber noch nicht auf. Wir trainieren weiter. Schließlich haben wir es ja auch "schon" auf 20 Minuten Alleinsein ohne Schreien geschafft. Wir werden es schon noch erreichen, dass dieser Zeitraum noch länger wird.

 

Trotzdem - auch wenn Kabou es irgendwann schaffen wird, ohne Schreien oder Jaulen mehrere Stunden allein zu bleiben, er wird trotzdem leiden. Guten Gewissens werde ich ihn nie länger allein sein können. Aber das Menschenleben ist leider nicht so gestrickt, das Hunde überall mit hingenommen werden können: Supermärkte, Ärzte, Friseure,... Er muss es also lernen, irgendwie meine Abwesenheit zu ertragen.

 

Am Liebsten jedoch wäre Kabou jeden Tag rund um die Uhr bei mir und würde mich überall hin begleiten.